Große Nadelkunde Teil 1 – Zwillingsnadel

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Einige von uns trauen sich nicht an sie ran, weil sie nicht genau wissen, wie und für was, sie sie verwenden sollen. Ich schließe mich da mit ein. Ich habe zwar eine Zwillingsnadel hier liegen, habe mich aber bisher auch nicht rangetraut. In Anlehnung an einen Kommentar bei meiner kleinen Nadelkunde, versuche ich heute, ein paar Fragen zur Zwillingsnadel zu beantworten und uns so die „Angst“ vor dem nähen mit einer Zwillingsnadel zu nehmen.

Passt die Zwillingsnadel an meine Nähmaschine?

Zwillingsnadeln passen an jede Nähmaschine, die mit Flachkolbennadeln ausgestattet sind (also jede Maschine, die jünger als 50 Jahre oder so ist). Sie haben oben den Flachkolben, an dem ein Plastikstück mit zwei nebeneinanderliegenden Nadeln befestigt ist. Ihr könnt sie also ganz normal, wie jede andere Nähmaschinennadel einsetzen.

Woran erkenne ich, ob meine Nähmaschine für eine Zwillingsnadel geeignet ist?

Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass so ziemlich jede Nähmaschine mit einer Zwillingsnadel umgehen kann. Sogar meine alte 80€ Maschine hätte das gekonnt. Normalerweise gibt’s dazu auch in der Bedienungsanleitung ein Kapitel. Wenn die nicht zur Hand ist, dann schaut euch eure Nähmaschine und das Zubehör genauer an. Bei meiner Brother Innovis 900 habe ich einen zusätzlichen Garnrollenhalter. Der wird auf den Spulenhalter gesteckt. Bei der Nähmaschine meiner Oma waren die Garnrollenhalter in der Maschine versenkbar und man musste nur den zweiten mit herausziehen. Hat eure Nähmaschine also in irgendeiner Weise einen zweiten Garnrollenhalter, dann könnt ihr auch eine Zwillingsnadel verwenden.

Wie fädel ich die Garne ein?

Das ist leichter als viele vermuten. Ihr nehmt einfach beide Oberfäden und führt sie in der gleichen Weise Richtung Nadel als wenn ihr nur einen Oberfaden hättet. Lediglich an dieser Stelle

müsst ihr die Oberfäden sauber trennen um Verknotungen zu vermeiden. Dafür wird der Faden für die linke Nadel durch die Fadenführung gezogen und der für die rechte Nadel nicht. Anschließend jeweils einen Oberfaden in ein Nadelöhr und es kann losgehen. Ein zweiter Unterfaden wird nicht benötigt.

Was kann ich mit einer Zwillingsnadel machen?

Zwei Nadeln mit zwei Fäden ergeben auch zwei Nähte. Und zwar in einem perfekten Abstand zueinander. Das sieht zum Beispiel gut an Säumen und aufgenähten Taschen aus. Von oben:

Was muss ich beachten?

Eine Zwillingsnadel ist nur für Geradstich geeignet. Bei allen anderen Stichen macht ihr euch die Nadel kaputt. Jetzt sind natürlich viele Kinderklamotten aus strechigen Materialien (Jersey, Trikot, Interlock, Nicki etc.) und die sollen ja immer mit einem dehnbaren Stich wie ZickZack genäht werden. Was für ein Glück, dass bei der Zwillingsnadel oben ein Geradstich und unten ein ZickZackstich entsteht und die Dehnbarkeit des Stoffes somit erhalten bleibt. Unterseite der Naht in ZickZack

19 Gedanken zu „Große Nadelkunde Teil 1 – Zwillingsnadel

  1. Fränzi sagt:

    Du bist mein Held! Nur das unten verstehe ich nicht….wie hast du es jetzt doch Zickzackig hinbekommen, wenn nur Gradstich geht? Oder hast du den Stretchstich genutzt? Ich glaub ich geh mir mal eine Zwillingsnadel kaufen 😉
    Danke!

    • Musst nur die Fadenspannung wahrscheinlich ordentlich hochdrehen. Das Bild ist mit einer fadenspannung von 9 entstanden und irgendwie immer noch nicht wirklich perfekt.

  2. Petra Platzer sagt:

    Hallo,

    Kann mir jemand helfen? Wenn ich mit einer Zwillingsnadel ganz normal einen geraden Stich eingestellt hab, dann macht der Unterlauf automatisch einen Zickzack-Stich?
    Ich glaub, ich bin zu blöd dafür 🙁

    Würd mich für Hilfe wirklich sehr freuen!

    Petra

    • sunny sagt:

      der Unterfaden soll ja einen zickzack bilden, damit wird die ganze naht ja erst elastisch. hast also alles richtig gemacht!!

  3. Jede Maschine kann leider nicht mit der Zwillingsnadel zusammenarbeiten. Diejenigen, bei denen man die Spulenkapsel seitlich einsetzen muss anstatt von vorne oder von oben, können nicht mit der Zwillingsnadel zusammenarbeiten, da bei denen auch die Nadeln „quer“ eingesetzt werden muss. Warum das bei einer Zwillingsnadel keine gute Idee ist, erschliesst sich ganz von alleine, wenn man das Loch in der Stichplatte betrachtet, durch das die Nadel durch soll … Und das sind durchaus auch Maschinen, die noch keine 50 Jahre oder älter sind.
    Nur mal als kleine Anmerkung am Rande, damit keiner unnötig eine Zwillingsnadel kauft und dann enttäuscht ist, wenn sie dann doch nicht passt.

    • Musekamp sagt:

      Hmm, ich habe leider auch eine „ältere“ Maschine, bei der ich zudem auch noch die Unterfadenspule von der Seite einsetzen muss.
      Folglich habe eích ein Problem mit der Benutzung der Zwillingsnadeln, da ich sie nur so einsetzen kann, dass die NAdeln hintereinander liegen, was ja logischerweise Unsinn ist…
      Aber meine Maschine ist mit zwei Garnrollenhaltern ausgestattet, was meiner Meinung nach impliziert, dass man mit zwei NAdeln nähen können müsste.
      Gibt es denn Zwillingsnadeln mit einer seitlichen Kolbenabflachung?
      Irgendwie muss man doch das Problem lösen können… ?
      Bin ratlos.

      • Ich weiß ja nicht, wie alt die Maschine ist. Wenn sie aber schon das 130/705 System verwendet, könnte ich mir vorstellen, dass an dem Nadeleinspanndingens was verdreht ist. Ich kenne nur die Zwillingsnadeln ( und auch jede Menge Nähmaschinen) wo die Kolbenabflachung hinten ist. Da wäre wahrscheinlich ein Besuch in einer Werkstatt am sinnvollsten.

        Liebe Grüße von Constanze

  4. Henry sagt:

    Moin, mmh meine zwillingsnadel will nicht so recht. Unten greift der unterfaden nur jeden vierten stich. Wie muss ich die fadenspannung für oben und unten einstellen? Kann es daran liegen? Gruss aus hamburg henry

  5. sunny sagt:

    die Fadenspannung so einstellen, als ob man nur mit einer Nadel und Geradstich nähen würde (also ganz normal).
    beim Einfädeln und Fadenspannung einstellen aber darauf achten, dass das Füßchen oben ist, sonst greift die Einstellung nicht richtig. Eventuell Staub von der Unterfadenspule und Umgebung entfernen.

  6. Anuschkin sagt:

    Super Artikel! Ich habe das Problem, dass sich z. B. Jersey zwischen den beiden Nähten der Zwillingsnadel einen Wulst bildet. Hat hierzu jemand eine Idee? Die Oberfadenspannung habe ich schon verändert… Viele Grüße von Anuschkin aus Köln

    • Carla sagt:

      Hallo,
      bei Zwillingsnadeln IMMER die Spannung des UNTERFADENS stark VERRINGERN!!!!
      Bei meinem Spulenhalter war das mehr als eine Umdrehung (ich habe eine Zwillingsnadel mit 4 mm Abstand!). Das ist enorm viel! Aber auch logisch, denn der Unterfaden wird ja immer hin und her (Zickzack) über beide Nähte geführt! Alles klar? 😉
      Die Spannung des Oberfadens bleibt!
      Vor Benutzung der Zwillingsnadeln schauen, ob die Nut in der Stichplatte mind. 1,2 mm breiter ist als das Nennmaß der Zwillingsnaden – sonst gibts ’ne zerstörte Stichlatte, zebrochene Nadeln und Verletzungen durch ebendiese…
      Und auf „Geradstich“ stellen!
      Wer allerdings einen breiten Schlitz in der Stichplatte hat, kann auch Zickzack benutzen. Aber genau messen bzw. berechnen (Abstand der Zwillingsnadeln) – und langsam mehrere Stiche mit dem Handrad ausprobieren, wie weit man seitlich gehen kann…
      Und, was eigentlich jede/r weiß: Nicht am Stoff ziehen!
      lg

  7. Lari sagt:

    Super erklärt, danke, nun sind 3 T-Shirts wieder heile. Werde mir aber gelegentlich eine zweite Spulenkapsel beschaffen für die andere Fadenspannung. Denn an meiner mag ich nicht rumdrehen, da sie für die anderen Sachen gut passt. Gottseidank ist mein Wulst auch nur klein.
    Winkegrüße Lari

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